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Interview mit Papaclub-Gründer Daniel Enkelskirchen-Walter

besserjetzt – 30 Minuten für deine berufliche Entwicklung

Folge 19: Was ist der Papaclub?

Interview mit Daniel Engelskirchen-Walter – Gründer Papaclub Essen

Michael Zocholl: Was bedeutet für dich Familie?

Daniel Engelskirchen-Walter: Familie bedeutet für mich, nach Hause zu kommen, meine Lieben, um mich zu haben. Ich habe eine sehr große Familie. Mein Vater hat auch einige Geschwister und ich habe sehr, sehr viele Onkel und Tanten und auch viele Cousins und Cousinen. Die haben auch mittlerweile alle schon Kinder und ich liebe es einfach im Sommer in den Garten zu gehen und da eine Heerschar von Kindern um mich zu haben und auch meine Liebsten einfach um mich zu haben.

MZ: In welchen Verhältnissen bist du groß geworden?

DEW: Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 16 war, und das war relativ schwierig, weil die Trennung der beiden war nicht so sauber und ich fand auch, dass die hätten mehr Rücksicht nehmen können auf uns Kinder. Als Beispiel: Wir wurden halt getrennt. Wir sind drei Geschwister. Ich habe noch zwei jüngere Geschwister, eine Schwester und ein Bruder. Und ich bin mit meiner Schwester zu meinem Papa gegangen und mein Bruder ist zu meiner Mutter gegangen und das war keine einfache Situation, da haben wir auch ordentlich mit zu knacken gehabt.

Es geht darum, immer das Beste für das Kind zu geben. Auch wenn es mal schwierig wird.

MZ: Und welche Rolle hat dein Vater für dich dann konkret gespielt? Wie würdest du das beschreiben?

Daniel sitzt auf Spielzeug Dinosaurier

DEW: Mein Vater war für mich in dem Falle dann mein neues Zuhause. Also das war eine ganz schöne Erschütterung in der Familie. Mein Vater war da in der Zeit für uns da. Er hat auch ordentlich zu knacken hat mit der Trennung, aber ich glaube, im Großen und Ganzen hat er sein Bestes gegeben. Und das, glaube ich, ist das Wichtigste.

MZ: Das führt mich zu der nächsten Frage. Und zwar würde ich gerne von dir wissen Welchen Anspruch hast du, an dich als Vater.

Folge mir

Vater sein heißt, das Bestmögliche für sein Kind zu geben

DEW: Auch immer das Beste zu geben, also das Beste für meine Kinder zu geben und zwar nicht das, was die Außendarstellung heißt, sondern wirklich bewusst auf mein Kind einzugehen, ja schon fast bedürfnisorientiert zu erziehen, auch meinen Kindern den Freiraum zu lassen, sich frei entwickeln zu können, das ist mein Anspruch. Genau.

MZ: Könntest du jetzt in der Rückschau sagen, wo es so wesentliche Unterschiede gibt zwischen der Erziehung von deinem Vater und von dir?

DEW: Ich glaube da gibt es Einiges. Ich glaube, dass es Väter heutzutage und viel mehr Möglichkeiten haben, sich zu informieren, z. B. durch das Internet. Durch Bücher kann man sich viel mehr informieren und viel mehr darauf vorbereiten. Ich glaube, früher wurde man da so ein bisschen auch ins kalte Wasser geschmissen. Früher gab es auch noch eine andere Rollenverteilung. Früher war das ja eher so, dass der Mann, das Geld reinholt und die Frau sich um den Haushalt kümmert und die Kinder kümmert, vor allen Dingen. Das sehe ich jetzt gerade auch im Wandel. Ich glaube, viele Väter nehmen immer mehr Elternzeit. Ich habe auch Elternzeit genommen, aber leider viel zu wenig. Im Nachhinein bereue ich das.

MZ: Warum ist ein Vater für das Kind wichtig?

DEW: Ja, also ein Vater ist halt einfach auch noch mal eine Person, die da ist. Ich glaube, das könnte theoretisch auch eine, sei es jetzt mal bei bei gleichgeschlechtlichen Beziehungen auch noch eine Mutter sein oder noch mal oder noch ein Vater sein. Einfach noch mal eine Bezugsperson, die da ist. Ich merke das auch ganz stark bei uns. Meine Schwiegermutter wird sehr, sehr viel bei uns mit einbezogen. Und der Kontakt von den beiden zu der Schwiegermutter ist halt auch sehr sehr stark, weil die einfach vor Ort ist und die ist da, die tröstet, die füttert. (…) Man ist einfach da und bietet einen sicheren Raum oder sollte einen sicheren Rahmen bieten für die Kinder, dass sie sich auch wohlfühlen.

MZ: Jetzt habe ich dich hier heute eingeladen, weil du einen ganz besonderen Club gegründet hast, nämlich den Papaclub hier in Essen. Was genau ist der Papaclub?

DEW: Der Papaclub besteht hauptsächlich erst mal aus einer Krabbelgruppe von für Kinder von 3 bis 4 Jahren. Ich habe den Papaclub gegründet, weil ich selber auf der Suche nach einem Austausch mit Vätern war und nicht wirklich etwas gefunden habe. Ich habe dann über das Mehrgenerationenhaus Essen die Möglichkeit bekommen, Räumlichkeiten zu benutzen und da habe ich dann auch einen Aushang gemacht und der Anlauf war riesengroß. Ich glaube, darauf haben die Väter gewartet in Essen. Das lief dann auch sehr, sehr gut an, dann kam das Nestwerk auf mich zu. Das ist die Hebammen Praxis in Bottrop und hat dann bei mir angefragt, ob ich das nicht bei denen in der Praxis machen könnte und somit entsteht der Papaclub. Seit Februar gibt es den Club jetzt. Ich bin jetzt gerade im aktuellen zweiten Kurs.

Papaclub ist ein Ort für Väter, um sich zu Erziehungsfragen auszutauschen

MZ: Du hast gesagt, die Idee kam dir, weil du selber nach Austausch gesucht hast. Welche Fragen haben sich denn damals „gequält“?

DEW: Ja, grundlegende Fragen. Wie die anderen Väter auch diese schweren Zeiten zum Beispiel durchstehen? Wie die mit der Belastung umgehen? Wie es vielleicht auch bei Beziehungsfragen aussieht? Einfach alles. Mich hat es einfach interessiert, mich mit den Vätern auszutauschen.

MZ: Wohin hat sich der Papaclub denn entwickelt? Du sagst es gibt den seit Februar, denn der erste Kurs ist, der läuft bereits und ist abgeschlossen.

Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.

DEW: Der erste ist abgeschlossen, der zweite läuft bereits, der dritte ist ausgebucht. Der fängt dann im Oktober an und das Vater Kind Wochenende ist auch im Oktober. Und genauso möchte ich eigentlich weitermachen. Ich möchte Events bieten, wo Väter mit ihren Kindern Zeit verbringen können und miteinander auch aneinander wachsen können.

MZ: Was passiert denn in den Treffen des Papaclubs konkret?

DEW: Ich baue den Kursraum des Netzwerks um. Ich baue ein bisschen Spielzeug auf und einen kleinen Parcour, meistens auch mit kleinen Motorikspielzeug, wo die Kinder dann im sicheren Rahmen sich freibewegen können. Und dann bringe ich immer ein kleines Thema mit und darüber reden wir dann.

MZ: Was sind so typische Themen, die du dann besprichst?

DEW: Also ich muss erst mal sagen, dass der Kurs sechs Treffen beinhaltet und die Themen, die ich da mitbringen, sind aufbauend. Als Beispiel nehmen wir am ersten Tag Geburt, am zweiten Tag Wochenbett, am dritten Tag dann Stillen. Und so geht es dann weiter. Also das sind so die Themen, eigentlich die grundlegenden Themen von Geburt und Kinderkriegen. Aber aus der Vater-sicht.

MZ: Ja, wie war denn so die Reaktion in deinem Umfeld, dass du gesagt hast, ich mache mich selbstständig und ich gründe so einen Austauschformat für Väter. Wie war die Reaktion von der eigenen Familie, von Freunden und von deinen Arbeitskollegen, weil wir reden ja noch gleich darüber, was du sonst noch so machst.

80% der Teilnehmer werden von ihren Frauen angemeldet

DEW: Also positiv, meine Familie steht 100 % dahinter mir meine Freunde auch. Also die fanden die Idee top. Auf der Arbeit kommt der ein oder andere doofe Spruch – das ist ja klar bei der Müllabfuhr – aber auch da durchweg positiv. Also da würde ich mich auch freuen, wenn der eine oder andere Mal meinen Kurs besucht.

MZ: Ja, das glaube ich jetzt. Das ist ja schon fast vorweggenommen, was du machst. Du arbeitest bei der Müllabfuhr hier in Essen. Das scheint ja für viele dann auch ein Sprung zu sein. Der ist nicht sofort logisch. Kannst du uns mitnehmen, warum du dich auch mit dem Thema Selbstständigkeit zusätzlich beschäftigt hast?

DEW: Ja, die Selbstständigkeit kam im Prinzip durch meine Idee. Das hat sich alles auch entwickelt. Ich habe jetzt nicht gesagt, ich bin unzufrieden mit meiner Arbeit als LKW Fahrer und mache mich deswegen selbstständig, sondern das hat sich entwickelt mit der Entwicklung meiner Gruppe.

MZ: Der Papaclub ist ein Element, dass du anbietest. Du hast auch vom Vater-Kind-Wochenende gesprochen. Was ist der Mehrwert von so einem Wochenende vielleicht?

DEW: Das Wochenende beinhaltet einfach noch mehr Zeit. Auch da, wo vielleicht die Mutter mal einschreitet. Geht halt nicht, die ist nicht da. Somit ist 48 Stunden der Vater dafür zuständig für alles da zu sein.

MZ: Die Väter, die zu dir kommen, wie kommen die zu dir bzw. mit welchem Anliegen kommen die zu dir? Warum sind die da? Was würdest du sagen?

DEW: Das ist Teil der Kennenlernen-Runde beim ersten Treffen. Rund 80 % der Väter werden von ihren Frauen angemeldet. Das finde ich auch gut. Ich mache es ja selber mit meiner Frau, ich gebe ihr den Sonntag zwei Stunden Zeit für sich. Und ich glaube, das gerade wenn die Kinder klein sind, die Mütter sehr, sehr viel von ihrer Zeit einstecken müssen. Und da sind wir auch als Väter gefragt, den Freiraum zu schaffen. Und die Väter, die zu mir kommen, sehen das im Prinzip genauso. Das war alles sehr, sehr lustig mit den 80 %, aber die Männer kommen im Prinzip aus der gleichen Intention wie ich auch. Die wollen Zeit verbringen, die wollen sich austauschen.

MZ: Aber schaffst du es Zeit einzuräumen, über die Probleme, die sie vielleicht haben, zu sprechen?

DEW: Wir haben sehr viel Zeit, um miteinander zu reden. Ich bin hier Vorbild und spreche meine Probleme und Fragen offen an. Dann wird es ein Selbstläufer. – Daniel Engelskirchen-Walter

80% der Teilnehmer werden von ihren Frauen angemeldet.

DEW: Ja, also wir haben im Kurs sehr, sehr viel Zeit. Das Thema, was ich mitbringe, beinhaltet vielleicht 5 bis 10 Minuten. Ich sitze im Kreis drin. Meine Kinder sind genauso Teil der Gruppe. Ich führe so ein bisschen durch die Stunde. Ich leite den Begrüßung-Jingle an und rede ein bisschen über das Thema, was ich mitgebracht habe. Ich biete aber auch Freiraum für Themen, die die Väter haben. Die erste Frage, die ich in dem Kurs stelle, ist Habt ihr ein Highlight der Woche?

MZ: Wie würdest du denn die Vaterrolle dann heutzutage beschreiben? Also dass sie sich verändert hat, hast du schon zu Beginn erklärt. Aber wie steht der Vater da aus deiner Sicht?

DEW: Ich glaube, das kann man nicht pauschalisieren. Jeder muss für sich seinen eigenen Weg Vater sein finden. Für mich ist Vatersein das Bestmögliche zu geben und bedingungslos das Kind zu lieben. Sei es auch, wenn es mal schwierig ist. Es wird immer schwierige Phasen geben in der in der Kindheit. Und auch da einfach als Sicherheit dazustehen, ist oft nicht einfach. Aber ich glaube, das muss das Ziel sein.

MZ: Was passiert dann bei dem Austausch? Kannst du mal versuchen zu beschreiben, wie dann so die die Chemie in der Gruppe ist?

DEW: Da entsteht ein Gespräch. Also wenn dann jemand von seinen Erfahrungen berichtet, gibt es eigentlich sehr, sehr oft eine Reaktion und nicht nur von mir gesteuert als Moderator, sondern dass in der Gruppe ein Gespräch wird. Es soll einfach ein Selbstläufer sein.

MZ: Würdest du sagen, dass die Männer, die dort sitzen, auch offen mit den Problemen umgehen, die sie dann haben?

Papasein ist mehr Langstrecke als Superheld am Wochenende

DEW: Ich glaube schon, ja. Also dadurch, dass wir unter Männern sind, ist das ein relativ sicherer Raum. Ich glaube, dass die Väter, die da sitzen, sich nicht so öffnen würden, wenn diese Krabbelgruppe, so nenne ich es jetzt einfach mal von einer Frau geleitet wird. Ich bin selber Vater, ich bin selber Mann und habe vielleicht auch die gleichen Probleme oder habe schon Erfahrungen mit diesem Problem gemacht. Und ich glaube, dass da auch die Sicherheit besteht, dass man nicht abgestempelt oder nicht verurteilt wird. Das soll jetzt kein Vorwurf sein an eine Frau, die diesen Kurs leiten würde. Aber ich glaube einfach, dass das Gefühl der Männer anders ist…

MZ: Wo haben Väter den größten Nachholbedarf?

DEW: Gar keine einfache Frage. Also ich glaube, dass wir gerade auf einem guten Weg sind. Ich glaube, der Nachholbedarf liegt in der Zeit. Früher war es dann halt so, dass die Väter halt zwölf Stunden unterwegs waren, weil sie arbeiten waren. Ich sehe nämlich die Vaterschaft als Langstrecke. Und früher war das eher so, dass der Vater am Wochenende kam und der Superheld war. Und die Superhelden kommen und gehen aber auch wieder und diese Langstreckenläufer sind halt immer da. So kann ich das gut vergleichen.

MZ: Also es ist sehr wohl auch eine Frage von Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kriegst du da Feedback aus der Gruppe? Erste Frage und zweite Frage hinterher: Wie gelingt dir das denn? Du hast ja auch einen Job, der dich lange in Anspruch nimmt.

DEW: Also das Feedback aus der Gruppe ist, dass jetzt gerade bei den kleineren Kindern auch viel Elternzeit genommen wird. Auch mehr als diese zwei Monate. Und das dann, da auch viel Freizeit einfach nach der Arbeit auch aufgeholt wird. So ist das bei mir übrigens auch. Ich komme nach Hause von meiner Arbeit und ich schnapp mir die Kinder und mach was. Sei es alleine oder mit meiner Frau. Also da versuche ich auch die Zeit, die dann morgens irgendwie verloren geht, auch aufzuholen.Aber gerade bei den selbstständigen Vätern ist das anders. Die können halt nicht mal eben ein halbes Jahr Elternzeit nehmen. Dann liegt die Firma brach. Ich hatte im ersten Kurs einen Arzt dabei, der eine eigene Praxis hat. Der sagt auch „Wenn er fehlt, dann ist die Praxis still. Nein, das geht nicht.“

Essens Oberbürgermeister Kufen war bereits Gast

MZ: Aber du hast ja, wenn wir bei der Politik sind, einen großen Fan, nämlich den Oberbürgermeister aus Essen – Thomas Kufen.

DEW: Ja genau. Er war bei mir im Papaclub und hat uns besucht. Wir haben uns ein bisschen unterhalten. Ich habe ihn mit ins Thema eingearbeitet, ein bisschen von mir erzählt, und ja, dann hat er ein bisschen mit den Kindern gespielt und dann war die Zeit leider schon rum..

MZ: Daniel vielen Dank für das tolle Interview.

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